Ein würdevolles Sterben ohne Schmerzen in vertrauter Umgebung – dies möchte der Verein zur Förderung der ambulanten Palliativversorgung Rheinhessen-Pfalz e.V. schwerstkranken Menschen ermöglichen. Vor einem Jahr wurde der Verein in Worms gegründet, nun haben die Mitwirkenden ihre Arbeit vorgestellt. Auch Anette Bayer von der Evangelischen Sozialstation Mainz-Oppenheim gehört zum Vorstand.
„Palliativ versorgte Menschen leben länger“, zitiert Dr. Oswald Burkhard eine aktuelle Studie zum Thema Palliativmedizin. Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass eine Palliativversorgung die psychische Belastung verringert. Dafür sorgen die medikamentöse Schmerztherapie und seltenere Krankenhausbesuche, wie Burkhard erklärt. Dazu kommt, dass viele Menschen zu Hause sterben möchten. Um dies vielen Menschen zu ermöglichen ist der Verein seit Juni 2009 Tag und Nacht im Einsatz. Ein Team aus Ärzten und Pflegefachkräften wechselt sich im Schichtdienst ab und leistet die sogenannte spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Diese richtet sich an schwerstkranke Patienten und muss ärztlich verordnet werden. Das Problem: Nur wenige Krankenkassen kommen derzeit für die Versorgung auf.
Laut Sozialgesetzbuch hat seit 2007 jeder Patient das Recht auf Palliativversorgung. Von allen palliativ versorgten Patienten benötigen immerhin 10% eine SAPV. Seit 2007 stellt der Gesetzgeber daher jährlich mehrere Millionen Euro zur Verfügung. Die Kassen haben im Juni 2008 die Vorgaben für SAPV-Stützpunkte festgelegt. Darin heißt es beispielsweise, dass ein Stützpunkt 250.000 Einwohner betreut. „Wir sind der erste arbeitende SAPV-Stützpunkt in Rheinland-Pfalz und haben uns genau an die Vorgaben der Krankenkassen gehalten“, berichtet Jutta Bingenheimer-Schneickert, die sich ehrenamtlich im Verein engagiert. Trotzdem fließt an den Verein mit Sitz in Worms kein Geld.
Die derzeit 44 Mitglieder des Vereins arbeiten daher kostenfrei. Die persönlichen Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich, die kooperierenden Pflegedienstleistungen gehen gar in Vorleistung. Zu den Mitgliedern zählen auch evangelische Institutionen in Rheinhessen. Darunter die evangelischen Sozialstationen in Worms und Mainz-Oppenheim, die Ökumenische Hospizhilfe Worms sowie die Ökumenische Hospizarbeit Rhein-Selz. Patrick Landua, Vorsitzender der Hospizarbeit Rhein-Selz und hauptberuflich in der Sozialstation Mainz-Oppenheim tätig, hat den Beisitz für Hospizarbeit im Vorstand des Vereins zur Förderung der ambulanten Palliativversorgung Rheinhessen-Pfalz e.V. inne. Auch Anette Bayer von der evangelischen Sozialstation Mainz-Oppenheim gehört dem Vorstand an.
Dank des zum überwiegenden Teil ehrenamtlichen Engagements ist die SAPV bereits in einem großen Gebiet verfügbar. Dies umfasst Worms, Nierstein-Oppenheim, Alzey und den Donnersbergkreis. „Doch auf Dauer kann es nicht sein, dass die pflegerische Leistung nicht erstattet wird. Wir werden juristisch gegen die Kassen vorgehen, kündigt Dr. Oswald Burkhard an.“
Trotz der Unwägbarkeiten kann der Verein zur Förderung der ambulanten Palliativversorgung Rheinhessen-Pfalz e.V. von Erfolgen berichten: „Seit Juni 2009 haben wir 169 Patienten betreut“, erläutert Jutta Bingenheimer-Schneickert „und davon sind 90% zu Hause gestorben. Das ist ein wichtiges Qualitätskriterium für unsere Arbeit.“ Auch Pflegedirektorin Brigitte Ahrens vom Klinikum Worms, ebenfalls im Vorstand des Vereins, bemerkt eine Veränderung: „Seit der Verein seine Arbeit aufgenommen hat, sterben nur noch sehr wenige Palliativpatienten im Krankenhaus – das ist ein großer Erfolg.“ (Yvonne Schnur)